Vaginalprolaps

Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

Um alle Funktionen des Forums nutzen zu können sollten Sie sich Anmelden oder registrieren

  • Der Vorfall der Vagina hat verschiedene Ursachen. Sehr häufig ist er Teilerscheinung und Folge der Retroversio-flexio uteri. Wie im vorstellenden Kapitel erörtert, steht bei den meisten Retroversionen-flexionen die Portio vaginalis mehrere Zentimeter tiefer, der Vulva näher.
    Sonach hat dieselbe Schleimhautwand. welche im normalen Zustande eine Vagina von 8-10 cm Länge bekleidet, nur noch eine Vagina von 4-6 cm zu bekleiden, die übrigen 4 cm sind überflüssig und schlagen eine Falte.
    Diese Falte kommt in und vor die Vulva zu liegen, stellt den Scheidenvorfall dar.
    Die Größe des Scheidenvorfalles bei Retroversion ist proportional dem Grade des Tiefstandes des Uterus.
    Gewöhnlich ist nur die vordere Vaginalwand beteiligt; die hintere pflegt erst zu folgen, wenn die Portio schon nach außen tritt, es sich also bereits um Uterusvorfall handelt.
    Das sind die bedeutungsvollsten Vaginalprolapse. Aus der sie bedingenden Retroversio-flexio entwickelt sich, wenn nicht behandelt, allmählich der Uterusprolaps, und so hat die überwiegende Mehrzahl der Uterusprolapse diese Form des Vaginalprolapses als Vorläufer. Die Therapie deckt sich fast völlig mit der der Retroversion.
    Meist genügt die Reposition des Uterus und die Applikation eines Pessars, den Vorfall zum Verschwinden zu bringen; nur müssen die Pessare etwas größer und breiter gewählt werden, um die durch das Draußenliegen gedehnte, ödematöse, hypertrophische Vaginalwand innerhalb des Beckens zur Verwendung zu bringen.
    Kalte Irrigationen, welchen man zweckmäßig Adstringentien zusetzt, unterstützen die Rückbildung der sukkulenten Schleimhaut.
    Anderenfalls sind diese Vorfälle sehr dankbare Objekte der operativen Therapie: bei jugendlichen Personen ALEXANDER-ADAMS oder Ventrifixur, bei älteren Vaginifixur.
    Im erstgedachten Falle ist mit der Operation eine vordere Kolporrhaphie mit Zurücknähung der Blase, im letztgedachten mit der Vaginifixur einfach die Resektion von überschüssigem Scheidenwandmaterial zu verbinden.



    Prolapsus vaglnae anterior et posterior. Das Gros
    des Vorfalles wird durch die vordere Scheidenwand gebildet, von der
    hinteren beteiligt sieh nur der unterste Zipfel der Columna rugarum
    posterior infolge des zugleich bestehenden partiellen Dammspaltes daran.
    Der Uterus befindet sich in Mittelstellung zwischen Normallage und
    Retroversion. Frau V., 38 Jahre alt, hat 4mal geboren. Perineoplastik,
    Pessar, Heilung.


    Eine andere Gruppe von Scheidenvorfällen beobachten wir bei partiellen, seltener bei totalen Dammspalten.
    Fehlt ein größerer Teil des Dammes, so ragt regelmäßig der unterste Zipfel der Columna rugarum posterior in die Vulva hinein und auch oft aus ihr heraus (Prolapsus vaginae posterior),
    der Teil der vorderen Scheidenwand, welcher, normaliter vom Frenulum gestützt, in der Scheide liegt, häufig ebenfalls (Prolapsus vaginae anterior).
    Besteht neben partiellem Dammspalt nicht zugleich Retroflexion, so kann der Vaginalprolaps zwar eine gewisse Größe erreichen, nie entsteht aus ihm ein Uterusprolap s.
    Im Falle aber der naturgemäß häufigen Kombination von Retroversio-flexio und partiellem Dammspalt sind die Bedingungen für die alsbaldige Entstehung des Uterusprolapses nur um so günstiger.

    Daß der totale Dammspalt viel seltener zu Vaginalprolaps führt als der partielle, ist der größeren Rigidität der größeren Narbe zuzuschreiben.
    Die Therapie dieser Kategorie des Scheidenvorfalles deckt sich mit der der Dammspalten (vgl. Kap. V und VI).


    Endlich finden wir Scheiden vorfalle, und das sind die seltensten, als Ueberbleibsel des puerperalen Zustandes, als mangelhafte Rückbildung der Graviditätshyperplasie der Vagina.
    Auch aus diesen Vorfällen entwickelt sich, falls der Uterus nicht in Retroversio sinkt, kein Gebärmuttervorfall.
    Dieser Form gegenüber hat die Therapie die Aufgabe, die hypertrophische Vaginalschleimhaut durch kühle, adstringierende Irrigationen, durch Massage zur Involution zu bringen, oder für die
    hypertrophische Vaginalschleimhaut innerhalb des Beckens durch ein voluminöses Pessar Verwendung zu schaffen, oder endlich den Ueberfluß zu resezieren (Kolporrhaphie).

    Prolapsus vaginae posterior, Rectocele bei zugleich bestehender Retronexio uteri mobilis. .Frau W., 51 Jahre alt, hat 6mal, zuletzt vor 12 Jahren, geboren; seit der letzten Geburt trete etwas aus den Genitalien heraus. Periode beginnt zu zessieren. Durch den Vorfall Beschränkung der Erwerbsfähigkeit. Vaginifixur, hintere trianguläre Kolporrhaphie mit Ablösung und Zurücknähung des Rectums. Vollkommener Erfolg. (K.J. No. 291 1896/97.) (BERTHOLDT, KÜSTNER-NEISSERs Stereoskop. Atlas.)

    Mehr Infos findet man hier

    689 mal gelesen