Totensonntag!

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  • Trauern Kinder anders als Erwachsene?

    Heute ist Totensonntag.
    Seit 200 Jahren gedenken wir an diesem Tag unserer Verstorbenen.
    Während Erwachsene eine Kerze in der Kirche anzünden, gehen Kinder anders mit Verlust um.
    Sie wenden sich direkt an den geliebten Menschen.
    Moritz (7) schreibt seiner Mama im Himmel: „Hoffentlich geht es dir gut. Papa und ich vermissen dich sehr.“

    Mit den Toten in Kontakt zu bleiben ist wichtig für Kinder.

    „Sie sollen nicht ‚Loslassen‘, sondern ihre Beziehung zum Verstorbenen auf neue Füße stellen“, erklärt Dagmar Wilke von der Trauerbegleitung Sterntaler in Bielefeld. Malen, Briefe schreiben und Basteln helfen Kindern, ihren Verlust zu begreifen, ihre Gefühle auszudrücken.

    Gerade kleine Kinder verstehen den Tod noch nicht. Dazu erzählt Buchautorin Mechthild Schroeter-Rupieper von der Lavia Familientrauerbegleitung Gelsenkirchen oft folgende Geschichte: Lena war 5, als ihr Papa sagte: „Mama ist tot.“ Sie fragte: „Was heißt tot?“ Er erklärte: „Das heißt, dass die Mama nie mehr wiederkommt.“ Sie fragte: „Nie, nie mehr wieder? Darf ich dann Mamas Handtaschen haben?“
    Das Kind war nicht kaltherzig. Sondern hatte immer noch nicht verstanden, was „tot“ eigentlich heißt: „Sonst würde sie sagen: Ich will die Handtaschen nicht, ich will meine Mama wiederhaben.“

    Kleine Kinder haben keine Vorstellung vom Gestorbensein.
    „Sie glauben an Magie, als könnten sie mit eigenem Tun alles beeinflussen: Opa kommt wieder, wenn ich brav mein Zimmer aufräume“, erklärt Wilke. Erst mit etwa zwölf Jahren können sie wirklich fassen, was der Tod ist: endgültig, nicht umkehrbar.

    Damit diese Erkenntnis die Kinder nicht aus der Bahn wirft, können Trauerbegleiter helfen. Zuerst sprechen sie mit Eltern und Angehörigen.
    Ihnen rät Stephanie Witt-Loers vom Institut für Trauerbegleitung Dellanima in Bergisch Gladbach, von Anfang den Kindern den Tod zu erklären: „Das Herz schlägt nicht mehr, der Körper ist kalt und bewegt sich nicht mehr, es ist für immer. So warten die Kinder nicht umsonst auf eine Rückkehr, der Verlust wird als Realität akzeptiert. Auch wenn sie nicht sofort alles verstehen: Es gibt den Kindern Vertrauen, Antworten auf ihre Fragen zu bekommen.“

    Schadet diese Offenheit den Kindern nicht?
    „Nein“, sagt Schroeter-Rupieper. „Kinder entwickeln sonst Fantasien, die oft schlimmer sind als die Realität. Alle Kinder kennen Halloween, wissen aber nicht, wie der Tod aussieht.“ Die Folge: Manche Kinder nehmen keinen Abschied von Mama, weil sie fürchten, ein Skelett im Krankenbett zu sehen.

    In Trauergruppen sind die Kinder unter sich.
    Sie lernen: Du bist nicht allein. Andere fühlen denselben Schmerz, dieselbe Trauer. Witt-Loers: „Die Kinder geben sich auch gegenseitig Tipps.“ Kindertrauergruppen helfen, Ängste zu nehmen. So wird aus dem toten Papa keine schmerzhafte Erinnerung, sondern ein Schutzengel.

    Mit Freundlichen Gruss

    Kai

    792 times read

Comments 1

  • Knuffi -

    An die Kinder meiner verstorbenen Freundin - 24 und 26 kommt man im Moment nicht dran. Der Schock ist einfach zu groß.