Zecken lauern auch im Garten

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  • Krankheitsüberträger auf dem eigenen Grundstück

    Zecken lauern auch im Garten
    Expertin von der Uni Hohenheim rät: Auch nach Gartenbesuchen auf Zecken absuchen!





    Auch waldferne, stark gepflegte Gartengrundstücke bieten Zecken eine Heimat.
    Die Spinnentiere können mehr als 50 verschiedene Infektionskrankheiten übertragen.


    Wer seinen Garten betritt, befindet sich im Zeckengebiet: Zu diesem Schluss kommt eine Studie der Universität Hohenheim. Betroffen sind nicht nur waldnahe Grundstücke. Die Blutsauger fanden sich in sämtlichen untersuchten Gärten.
    Dabei stellen die Forscher eine überraschende Artenvielfalt fest.
    "Gartenbesucher sollten sich nach einem Gartenaufenthalt auf Zecken absuchen und vor allem in Süd- und Mitteldeutschland auch impfen lassen", rät Professor Ute Mackenstedt von der Universität Hohenheim. Für künftige Studien sucht die Parasitologin noch Gartenbesitzer, die ihr Grundstück zweimal im Monat untersuchen lassen wollen.

    In diesem zeitlichen Abstand rückten die Wissenschaftler um Professor Mackenstedt mit weißen Flaggen an. In rund 60 Gärten zogen sie die Tücher über Rasen, Rabatten und Hecken, sammelten die Zecken ab und bestimmten die Arten. Im Labor untersuchten sie die Spinnentiere auf Krankheitserreger. "Gut die Hälfte der Gartenbesitzer beteiligte sich sogar an den Untersuchungen" berichtet Zeckenexpertin Mackenstedt vom großen Interesse in der Bevölkerung. "Manchen mussten wir nur Fragebögen, Zeckengläser und frankierte Briefumschläge stellen und bekamen die gefangenen Zecken zugeschickt."

    Ob durchgestylt oder naturnah: Zecken finden sich in jedem Garten

    Bei jedem Garten notierten die Wissenschaftler den Zustand, die Entfernung zum Wald, die Zahl der Haus- und die gesichteten Wildtiere. Begonnen wurde die Studie im August 2014. Zum Auftakt der Zeckensaison 2015 stellte Professor Mackenstedt ihre Ergebnisse vor. "Was uns überraschte: In allen Gärten konnten wir Zecken finden", erklärt sie. "Manchmal ist auch nur ein einzelner Busch betroffen. Dafür aber selbst in Gärten, die sehr gepflegt und mehrere Hundert Meter vom Wald entfernt sind."
    Ein Grund für die Verbreitung sind vermutlich Wild- und Haustiere. "Wir fanden Zeckenarten, die hauptsächlich von Vögeln verbreitet werden. Andere legen an Rehe und Füchse geheftet auch weite Strecken zurück", erklärt die Professorin der Universität Hohenheim. Meist aber dienen Nagetiere den Zecken als Wirte. Die Nager sind selbst meist immun gegen die Hirnhautentzündung FSME und Borreliose, können die von Zecken übertragenen Krankheiten so aber weiterverbreiten.

    Als vorläufige Ergebnisse der Pilotstudie fasst Zeckenexpertin Mackenstedt zusammen:
    • Zecken leben in allen Gärten. Dabei herrscht eine überraschende Vielfalt: Die Forscher fanden bisher drei Arten.
    • Je näher am Wald, desto mehr Zecken gibt es. Aber auch 500 Meter vom Wald entfernt fanden die Wissenschaftler noch um die 20 Prozent des Zeckenanteils von Waldrand-Grundstücken.


    Größte Gefahr für Zecken ist Hitze. Gärten ohne Unterholz mit konstant kurzem Rasen haben weniger Zecken, sind aber auch nicht zeckenfrei.
    Zecken sind nicht gleichmäßig über den Garten verteilt, sondern können sehr kleinräumig vorkommen. In manchen Gärten waren nur einzelne Büsche befallen.
    Neben erwachsenen Zecken kommen auch Zeckenlarven vor. Dies spricht dafür, dass es sich um etablierte Zeckenpopulationen handelt.
    Vögel sowie größere Wild- und Haustiere verbreiten Zecken wahrscheinlich auch über größere Distanzen. Speziell in Gärten mit Rehen fanden die Forscher immer auch Zecken.
    Vor allem Nagetiere tragen Erreger für Krankheiten wie Hirnhautentzündung und Borreliose in sich. Sie dienen damit als eine Art Krankheitstankstelle, an der sich selbst vorher harmlose Zecken mit Krankheitserregern volltanken.
    Generell zeige die Zeckenforschung, dass die Parasiten ausgesprochen unberechenbar sind. "Alte Weisheiten, zum Beispiel dass Zecken nur im Sommer aktiv sind, gelten nicht mehr. Heute finden wir das ganze Jahr über aktive Zecken", erklärt Professor Mackenstedt.
    Problematisch daran sind nicht die Spinnentiere selbst, sondern die von Zecken übertragenen Krankheiten wie FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis) oder Borreliose. Für Dr. Rainer Oehme, der die Durchseuchung der Zecken im Labor bestimmt, liegt die Konsequenz deshalb klar auf der Hand: "Wer sich viel in der Natur aufhält, sollte sich gegen Hirnhautentzündung durch Zecken impfen lassen", rät der Mitarbeiter des Landesgesundheitsamtes in Stuttgart.

    FSME kann einen lebensbedrohlichen Verlauf nehmen

    "In den Risikogebieten liegt die Wahrscheinlichkeit einer FSME-Infektion nach einem Zeckenstich bei 1:50 bis 1:100", zitiert Experte Oehme die Fachliteratur. Nach sieben bis 14 Tagen können grippeähnliche Symptome auftreten. Bei leichten Verläufen klagten die Patienten vorwiegend über starke Kopfschmerzen. Bei schwereren Verläufen seien Gehirn und Rückenmark beteiligt. Zu den schweren Verläufen gehörten Koordinationsstörungen, Lähmungen, Sprach- und Sprechstörungen sowie Bewusstseinsstörungen. Für etwa einen von hundert Patienten endet die Krankheit tödlich.
    Bei älteren Menschen kommt es häufiger zu schweren Krankheitsbildern mit zum Teil bleibenden Lähmungserscheinungen. Aber auch Kinder leiden selbst nach einem leichteren Verlauf an Konzentrations- und Gedächtnisstörungen sowie verminderter Belastbarkeit. Sei die Krankheit erst einmal ausgebrochen, könnten nur die Symptome therapiert werden. Die Impfung biete dagegen innerhalb weniger Wochen einen Schutz und sei für Kinder und Erwachsene gut verträglich. "Die meisten Kinderärzte sind auch bereit, die Eltern gleich mit zu impfen", weiß Oehme.

    So schützen Sie sich und Ihre Kinder vor FSME und Borreliose durch Zecken


    Die Immunisierung besteht aus drei Impfungen. Die beiden ersten Impfungen liegen bis zu drei Monate auseinander. "14 Tage nach der zweiten Impfung besteht für 90 Prozent der Geimpften bereits ein Schutz, der für die laufende Saison zunächst ausreichend ist", erläutert Curt Beil, Vorsitzender des Berufsverbands deutscher Neurologen. "Für den Langzeitschutz, der dann über mindestens drei Jahre besteht, ist eine dritte Impfdosis nach neun bis zwölf Monaten notwendig."
    Neben FSME-Viren können bei einem Zeckenbiss auch Borrelien übertragen werden. Diese Bakterien gibt es nicht nur in einzelnen Risikogebieten - Vorsicht ist deshalb in ganz Deutschland geboten. Anders als bei FSME gibt es gegen Borreliose keinen Impfschutz. Um das Infektionsrisiko zu senken, sollte man Zecken möglichst zügig nach dem Eindringen in die Haut entfernen. Denn die gefährlichen Bakterien werden in der Regel erst nach einigen Stunden übertragen.
    Nach dem Aufenthalt im Freien – ob im Garten oder im Wald – sollte man den Körper nach Zecken absuchen. Besondere Aufmerksamkeit gilt dabei Kopf und Hals, der Haut unter den Armen, zwischen den Beinen und in den Kniekehlen.

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Comments 1

  • Knuffi -

    Ich hasse diese Biester - und mir tun immer die armen Tiere leid, die davon geplagt werden. Ich hatte zum Glück noch nie eine.